Es ist schon ein paar Jahre her, als ein speziell für Kinder gedachtes Produkt namens „Monsterbacke“ die Juristen beschäftigt hat. Die Molkerei Ehrmann aus dem Allgäu bewarb damals den Kinderquark mit einem Slogan, welcher der Wettbewerbszentrale buchstäblich sauer aufgestoßen ist: „So wichtig wie das tägliche Glas Milch!“. Seitdem ist viel passiert und es gibt ganz andere „Monsterbacken“ in den Kühlregalen der Supermärkte, voll mit Zucker und Zusatzstoffen. Fast ist man gewillt, weder Quark noch Joghurt zu verspeisen. Die Werbung vergällt es einem: „Schalt mal ab und erleb‘ den sahnigen Geschmack“, wie Zott einst seine Produkte bewarb – und dann hat man den Salat, oder besser gesagt das Fett am Bauch kleben.
Wie sind wir jetzt gleich ins Plaudern gekommen? Ach ja: der gute alte Joghurt! In einem Experiment haben Forscher betagten Mäusedamen reichlich Joghurt vorgesetzt. Was dabei überraschte: ihr Fell sah auffallend glänzend und jünger aus als das von joghurtabstinenten Altersgenossinnen, vermutlich aufgrund reduzierter Entzündungsprozesse in der Haut. Bei den Mäuseherren war die Wirkung ebenfalls aus Sicht der Forscher sehr erstaunlich. Der Joghurt verhinderte den üblichen altersbedingten Abbau der Hoden. Der Testosteronspiegel der Tiere blieb jugendlich hoch. Die Mäuserische waren schlanker, aktiver und hatten mehr Muskelmasse, zudem war ihr Haar dichter. Diese Studie wurde übrigens nicht von DANONE finanziert, wie der renommierte Wissenschaftsautor Bas Kast in seinem Ernährungskompass feststellt.
Auch bei uns Menschen, man ahnt es, bewirkt Joghurt mit seinem Milchsäurebakterien sehr viel Gutes. Wir reden allerdings nicht von einem Industrieprodukt mit zugesetzten Holzspänen, die nach Erdbeere schmecken, sondern vom schlichten Naturjoghurt. Dass die besagten Bakterien beim Abnehmen helfen können, wird von diversen Experimenten bestätigt. In einer Studie der Harvard University, in der die Ernährungsgewohnheiten von mehr als 120.000 Menschen jahrzehntelang erfasst wurden, stellte sich der Joghurt als „Schlankmacher“ erster Güte heraus. Auch in Bezug auf das Verjüngen der Haut, wie man es bei den Mäusen festgestellt hat, gibt es erste Ergebnisse, die auch Menschen hoffen lassen. In einer Studie erhielten 110 Frauen zwischen 41 und 59 Jahren insgesamt zwölf Wochen lang entweder ein tägliches Placebo oder eine Behandlung mit Milchsäurebakterien. Die Bakterien sorgten nicht nur für mehr Haut, Glanz und Elastizität, auch die Faltentiefe im Gesicht bildete sich zurück. Was lernen wir daraus: Weg mit den Monsterbacken! Joghurt statt Botox. Wenn das keine gute Nachricht ist.