Dem Landwirt ein Denkmal

Liebe Lesende

in der Ukraine tobt der Krieg und in deutschen Wohnzimmern geht die Angst um vor der Kälte des nächsten Winters. Diese Republik hat sich in beschämender Weise abhängig gemacht von Putins Gas, was politisch zuvorderst mit dem christdemokratischen Lager nach Hause geht, das nicht gegengesteuert hat. Rund 600 Millionen Dollar überweisen die EU-Länder an die russischen Gaskonzerne – tagtäglich! Mit diesem Geld finanziert der irregeleitete Putin nicht zuletzt Söldner, Raketen und Panzer, die in der Ukraine Städte in Schutt und Asche legen. Wir sind bei alledem, trotz aller Bekenntnisse für den Frieden, zumindest nicht gänzlich außen vor.

Die Politik hat das Debakel erkannt. Neuerdings kreuzt unser Wirtschaftsminister von den Grünen bei erzkonservativen Scheichs auf, um ihnen mehr Gas und Öl zu entlocken. Willkommen in der Realpolitik! Hatte Robert Habecks Partei im Wahlkampf noch den Klimaschutz als Topthema auf der Agenda, ist jetzt der Krieg in Europa das alles beherrschende Thema. Um die Versorgungssicherheit in Deutschland auf eine breitere Basis zu stellen und sich unabhängiger von russischer Energie zu machen, muss der wackere Bundeswirtschaftsminister durchaus zähneknirschend in Katar und in den Vereinigten Arabischen Emirate den politischen Diener machen.

Damit ihm solche eher peinlichen Gänge in Zukunft möglichst erspart bleiben, sollten wir handeln. Höchste Zeit, auch in anderen Branchen mancherlei Abhängigkeiten zu hinterfragen. Russland gehört beispielsweise zu den zehn größten Exporteuren von Getreide, darunter Gerste, Mais, Roggen und Hafer, insbesondere Weizen. In den Jahren 2017 bis 2019 war Putins Reich der größte Weizenexporteur mit einem Anteil von rund 20 Prozent am Weltmarkt. In den vergangenen zehn Jahren hat Russland seine Weizenexporte mehr als verdoppelt. Abgesehen davon, dass man sich durchaus fragen darf, wie es die russischen Landwirte mit Pestiziden halten, die dann global für Bauschmerzen sorgen, ist es geboten, sich im Sinne der Volksgesundheit, des Klimaschutzes und der Versorgungssicherheit Gedanken über eine konsequente  Agrarwende zu machen, an der wir alle beteiligt sind. Billigfleisch vom Discounter, Eier aus der Legebatterie – alles ist gekennzeichnet. Man muss das nicht kaufen!

Im Jahr 2020 gab es insgesamt 263.500 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Damit ist die Zahl der Betriebe innerhalb von zehn Jahren um weitere zwölf Prozent gesunken. Noch immer gilt in der Branche das alte Gebot: wachse oder weiche! Vom Rückgang betroffen sind vor allem Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Fläche bis 100 Hektar, im Durchschnitt ist ein landwirtschaftlicher Betrieb 63 Hektar groß. Das sollte letztlich reichen, um ein auskömmliches Leben führen zu können mit guten Produkten, die vielleicht ein wenig teurer sind, aber dafür bekömmlich, lokal wie global.

Die dafür nötige Volksabstimmung erfolgt an der Ladenkasse, dort, wo sich entscheidet, was uns gute Lebensmittel Wert sind und was wir für unsere Unabhängigkeit und den über allem stehenden Umwelt- und Klimaschutz auszugeben bereit sind. Den Landwirten bei uns sollte es möglich sein, Geld zu verdienen und sich dabei vom Zwang zu maximalen Erträgen zu verabschieden. Den Preis dafür müssen wir kollektiv tragen. Vielleicht zahlen wir ihn lieber, wenn uns bewusst wird, dass Menschen in Krisengebieten umgebracht werden mit Raketen, die finanziert werden auf Märkten für günstiges Gas und billigen Weizen. Wir haben eine Wahl. Die Ukrainer haben sie nicht.

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